Zusatzbeitrag Vergleich - 2017

Der Zusatzbeitrag steigt 2017 auf durchschnittlich 1,3 %

Zusatzbeitrag Vergleich 2017

Der Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen wurde zum 01.01.2015 in Deutschland eingeführt. Mit Hilfe des Zusatzbeitrags können sich die gesetzlichen Krankenkassen differenzieren. Der Zusatzbeitrag wird von jeder Krankenkasse individuell festgelegt, wohingegen der Grundbeitragssatz in Höhe von 14,6 % bei allen Krankenkassen identisch ist.
Kostensteigerungen im Gesundheitssystem und bei den Krankenkassen werden über den Zusatzbeitrag ausgeglichen, da der Grundbeitragssatz bis auf Weiteres festgeschrieben ist. Der durch den Zusatzbeitrag ermöglichte Wettbewerb zwischen den Krankenkassen soll Kostensteigerungen begrenzen und so die Gesamtkosten für die Versicherten in Grenzen halten.
Die aktuellen Zusatzbeiträge liegen bei den bundesweit geöffneten Krankenkassen zwischen 0,59 % und 1,9 %.

Wer zahlt den Zusatzbeitrag 2017?

Ein weiterer Grund für die Einführung des Zusatzbeitrags ist, dass die Arbeitgeber bei den Lohnnebenkosten entlastet werden sollten bzw. bei Kostensteigerungen im Gesundheitssystem nicht weiter belastet werden. Dieses Ziel wird erreicht, indem man die Arbeitgeber mit nur 50 % am Grundbeitragssatz von 14,6 % beteiligt und den Zusatzbeitrag komplett dem Arbeitnehmer abzieht. In der Praxis ist es also nicht mehr so, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Kosten für die Krankenversicherung teilen, sondern, dass die Arbeitnehmer deutlich stärker an den Kosten beteiligt werden. Somit gehen zukünftige Erhöhungen beim Zusatzbeitrag ausschließlich zu Lasten der Arbeitnehmer.

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Bei den aktuellen durchschnittlichen Beitragssätzen zahlen die Arbeitgeber 7,3 % und die Arbeitnehmer 8,4 %. Treffen die Prognosen der Experten ein, dann wird sich das Verhältnis bis zum Jahr 2020 für die Arbeitnehmer weiter deutlich verschlechtern. 2020 zahlen die Arbeitgeber weiterhin 7,3 %, die Arbeitnehmer aber bereits durchschnittlich 9,7 %.
Ein Vergleich der Zusatzbeiträge lohnt sich also. Für einen Arbeitnehmer beträgt der Unterschied zwischen der teuersten bundesweit geöffneten Krankenkasse und der günstigsten bundesweit geöffneten Krankenkasse 2016 bereits 737 EUR pro Jahr.

Zusatzbeitrag Vergleich der Krankenkassen

Hier können Sie Ihren Zusatzbeitrag vergleichen und bei Bedarf Ihren Krankenkassenwechsel einleiten.

KrankenkasseGesamtbeitragssatz in %Zusatzbeitrag in %ÖffnungWechselbonusWechseln
actimonda krankenkasse15,61bundesweitkeine WechselprämieAntrag
AOK - Die Gesundheitskasse für Niedersachsen15,40,8Niedersachsenkeine WechselprämieAntrag
AOK Baden-Württemberg15,61Baden-Württembergkeine WechselprämieAntrag
AOK Bayern15,71,1Bayernkeine WechselprämieAntrag
AOK Bremen/Bremerhaven15,71,1Bremen Bremerhavenkeine WechselprämieAntrag
AOK Hessen15,71,1Hessenkeine WechselprämieAntrag
AOK Nordost15,50,9Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorp.keine WechselprämieAntrag
AOK NORDWEST15,71,1Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holsteinkeine WechselprämieAntrag
AOK PLUS14,90,3Sachsen, Thüringenkeine WechselprämieAntrag
AOK Rheinland/Hamburg16,01,4Hamburg, Nordrheinwestfalenkeine WechselprämieAntrag
AOK Rheinland-Pfalz/Saarland15,71,1Rheinland-Pfalz, Saarlandkeine WechselprämieAntrag
AOK Sachsen-Anhalt14,90,3Sachsen-Anhaltkeine WechselprämieAntrag
Audi BKK15,30,7bundesweitjaAntrag
BAHN-BKK16,01,4bundesweitkeine WechselprämieAntrag
BARMER GEK15,71,1bundesweitkeine WechselprämieAntrag
Bertelsmann BKK15,881,28bundesweitkeine WechselprämieAntrag
Betriebskrankenkasse Mobil Oil15,71,1bundesweitjaAntrag
Betriebskrankenkasse WMF15,71,1bundesweitkeine WechselprämieAntrag
BIG direkt gesund15,61bundesweitjaAntrag
BKK Braun-Gillette16,51,9bundesweitkeine WechselprämieAntrag
BKK firmus15,20,6bundesweitkeine WechselprämieAntrag
BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER15,81,2bundesweitkeine WechselprämieAntrag
BKK Pfalz16,01,4bundesweitkeine WechselprämieAntrag
BKK ProVita15,91,3bundesweitkeine WechselprämieAntrag
BKK RWE15,30,7bundesweitkeine WechselprämieAntrag
BKK TUI15,71,1bundesweitkeine WechselprämieAntrag
BKK VBU15,50,9bundesweitkeine WechselprämieAntrag
BKK VerbundPlus15,40,8bundesweitkeine WechselprämieAntrag
BKK2415,71,1bundesweitkeine WechselprämieAntrag
Continentale Betriebskrankenkasse15,91,3bundesweitkeine WechselprämieAntrag
DAK Gesundheit16,11,5bundesweitjaAntrag
Debeka BKK15,50,9bundesweitkeine WechselprämieAntrag
Deutsche BKK15,71,1bundesweitkeine WechselprämieAntrag
Die Schwenninger BKK15,91,1bundesweitjaAntrag
energie-BKK15,71,1bundesweitkeine WechselprämieAntrag
Heimat Krankenkasse15,71,1bundesweitkeine WechselprämieAntrag
HEK - Hanseatische Krankenkasse15,61bundesweitjaAntrag
hkk Krankenkasse15,190,59bundesweitkeine WechselprämieAntrag
IKK Brandenburg und Berlin15,20,6Berlin, Brandenburgkeine WechselprämieAntrag
IKK classic16,01,4bundesweitkeine WechselprämieAntrag
IKK gesund plus15,20,6bundesweitkeine WechselprämieAntrag
IKK Nord15,91,3Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorp., Niedersachsen, Schleswig-Holsteinkeine WechselprämieAntrag
IKK Südwest15,81,2Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarlandkeine WechselprämieAntrag
KKH Kaufmännische Krankenkasse15,81,2bundesweitkeine WechselprämieAntrag
Knappschaft15,91,3bundesweitkeine WechselprämieAntrag
Novitas BKK15,951,35bundesweitkeine WechselprämieAntrag
pronova BKK15,81,2bundesweitkeine WechselprämieAntrag
R+V Betriebskrankenkasse15,61bundesweitkeine WechselprämieAntrag
Salus BKK15,550,95bundesweitkeine WechselprämieAntrag
SBK15,91,3bundesweitkeine WechselprämieAntrag
Securvita16,31,7bundesweitjaAntrag
Techniker Krankenkasse15,61bundesweitjaAntrag
VIACTIV Krankenkasse16,31,7bundesweitkeine WechselprämieAntrag

Wie wird sich der Zusatzbeitrag in Zukunft entwickeln?

Viele Gründe sprechen dafür, dass sich die Zusatzbeiträge nicht nur 2017 sondern auch in den folgenden Jahren erhöhen werden. Im Jahr 2017 könnte es jedoch eine Ausnahme geben. Der Gesetzgeber plant für das kommende Jahr, den Krankenkassen 1,5 Milliarden Euro aus den Reserven des Gesundheitsfonds zuzuweisen. Es ist noch unklar, ob diese Zuweisung ausreichen wird, um Erhöhungen des Zusatzbeitrags zu verhindern. Grundsätzlich hat die Bundesregierung im Jahr der Bundestagswahl ein Interesse daran die Zusatzbeiträge stabil zu halten. Das ändert aber nichts daran, dass die Kosten im Gesundheitssystem stetig steigen. Fällt die Erhöhung des Zusatzbeitrags 2017  gering aus, wird sich das 2018 evtl. umso stärker auswirken. Bei jeder Erhöhung haben Sie ein Sonderkündigungsrecht, sodass man bei einem Wechsel die 18-monatige Bindungsfrist entfällt. Die Beitragserhöhungen werden bei vielen Krankenkassen im Dezember verabschiedet. Die Krankenkassen müssen ihre Mitglieder dann rechtzeitig über eine Veränderung informieren. Alles zu den Kündigungsfristen finden Sie hier.

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Quelle: Universität Duisburg-Essen, Campus Essen Lehrstuhl für Medizinmanagement

Wer legt den Zusatzbeitrag 2017 fest?

Der Zusatzbeitrag der einzelnen gesetzlichen Krankenkassen wird von deren Verwaltungsräten in der Regel im Dezember für das folgende Jahr festgelegt. Prinzipiell kann eine Krankenkasse aber beliebig oft im Jahr ihren Zusatzbeitrag erhöhen. Den Verwaltungsräten als Kontroll- und Lenkungsgremium der Krankenkassen gehören jeweils zur Hälfte Arbeitgebervertreter und gewählte Vertreter der Versicherten an. Damit ist sichergestellt, dass sowohl die Interessen der Versicherten und auch die Interessen der Arbeitgeber und der Kasse selbst bei der Entscheidung, den Zusatzbeitrag zu erhöhen, berücksichtigt werden.

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag von 1,1 % in 2016 und 1,3 % in 2017 wird vom Bundesgesundheitsministerium jeweils am 1. November für das Folgejahr festgelegt. Er orientiert sich an Berechnungen des Schätzerkreises, bestehend aus Mitgliedern vom Bundesversicherungsamt, dem GKV-Spitzenverband und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und basiert auf den prognostizierten Einnahmen und Ausgaben aller Krankenkassen. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Bundesregierung muss also nicht mit dem tatsächlichen durchschnittlichen Zusatzbeitrag aller Krankenkassen übereinstimmen und ist damit ein rein statistischer Wert.    

Gründe für die Erhöhung des Zusatzbeitrag 2017 und in den Folgejahren?

Die Deutschen werden immer älter

Die Lebenserwartung der Deutschen steigt kontinuierlich. Betrug die durchschnittliche Lebenserwartung 1970 noch 70,64 Jahre, lag sie 2010 schon bei 80,89 Jahren. Frauen werden weiterhin durchschnittlich älter als Männer. Für die Krankenversicherung entstehen dadurch erhebliche Probleme, denn je älter die Menschen werden, umso kränker werden sie häufig auch. Gerade die schweren und kostenintensiven Krankheiten häufen sich im höheren Alter. Die Kosten für die Pflege sind hier noch nicht berücksichtigt.   
Ein Grund für die steigende Lebenserwartung in Deutschland ist sicherlich der medizinisch-technische Fortschritt. Mehr Menschen überleben dadurch schwere Krankheiten und werden wesentlich älter. Diagnosen, die früher als unheilbar eingestuft wurden, können heute mit hohem technischem Aufwand behandelt werden. Das ist einerseits ein unschätzbarer Wert für die Menschen, andererseits für die Krankenkassen eine enorme Kostenbelastung. Eine „Lösung“ wäre, die Behandlungen zu beschränken und z.B. neue Hüften für 80jährige nicht mehr zu bezahlen. Aber das kann nicht im Sinne der Menschen sein. Die zweite Lösung kann also nur die Erhöhung der Beiträge sein.

Steigende Zahl von Ärzten, Zahnärzten und Psychologen

Ein weiterer Grund für die Kostensteigerung im Gesundheitssystem ist die steigende Anzahl von Ärzten, Zahnärzten und Psychologen. Mit der Anzahl der Ärzte steigt auch die Anzahl der Arztbesuche insgesamt. Paradoxerweise werden die Menschen dadurch aber nicht gesünder wie Vergleiche mit anderen Ländern zeigen, die eine deutlich geringere Ärztedichte haben aber die Menschen dadurch nicht kränker sind. Das „Ärztehopping“ führt zu Doppelbehandlungen und Doppeldiagnostik und wird über steigende Zusatzbeiträge finanziert. Andere Lösungen wie eine wirkliche elektronische Gesundheitsakte könnten hier helfen, bergen aber dafür andere Gefahren.
Die Folgen der beiden oben genannten Punkte sind steigende Kosten für Krankenhäuser und Medikamente. Schätzungsweise steigen die Kosten der Krankenhäuser 2017 um 5,5 % und für Medikamente um 3,5 % erklärt der Gesundheitsökonom Wasem. Die AOK Rheinland-Pfalz rechnet vor, dass allein die Kosten für Arzneimittel seit 2010 um 5,8 Milliarden Euro gestiegen sind. Zusätzlich zu den Faktoren, die durch die Menschen direkt verursacht werden, belasten die Kassen Kosten für eine Krankenhausstrukturreform.

Kosten für Arbeitslose

Arbeitslose Hartz IV Empfänger entwickeln sich zum Problem für die Krankenkassen in Deutschland. Durch die gut laufende Konjunktur fällt die Anzahl der Hartz IV Empfänger in Deutschland seit vielen Jahren. Das dürfte sich durch die Anerkennung vieler Flüchtlinge, die oft erst mal arbeitslos sein werden, ändern. Das Problem sind aber nicht die Hartz IV Empfänger an sich, sondern die Tatsache, dass die Arbeitsämter nur 90 Euro für einen Hartz IV Empfänger in die Krankenkassen einzahlen, gebraucht werden aber 136 Euro. Der Staat verlagert dadurch einen Teil seiner Kosten auf die Krankenkassen und diese durch den Zusatzbeitrag an alle Beitragszahler.Bei der aktuellen Entwicklung ist von einer Steigerung beim Zusatzbeitrag also auszugehen.